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Verkauf eines Kunststoffunternehmens

KIEL/LÜBECK. In den kommenden fünf Jahren stehen in Schleswig-Holstein rund 5.400 Unternehmen zur Übergabe an. Etwa 83.000 Beschäftigte im Land sind davon direkt betroffen. Dabei finden sich immer seltener “geborene” Nachfolger in den heutigen Inhaber-Familien. Weiterer Trend einer Kammer-Umfrage, die Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz heute (4. Oktober) in Kiel gemeinsam mit der Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein, Friederike C. Kühn, und dem Präsidenten der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, Günther Stapelfeldt, vorstellte: Das Beratungsangebot der Kammern für die Betroffenen wird immer intensiver nachgefragt. Buchholz appellierte vor diesem Hintergrund vor allem an Frauen, die Chance einer Unternehmensübernahme zu nutzen.

Wie Kühn und Stapelfeldt erläuterten, befragen die Kammern seit 1998 im Fünf-Jahres-Turnus Unternehmen zur Nachfolgesituation, deren Geschäftsführer oder Inhaber mindestens 55 Jahre alt sind. Die drei IHKs erhoben diesmal Daten von insgesamt 12.900 und die beiden Handwerkskammern von zusammen rund 8.000 Unternehmen. Rund 22 Prozent der Befragten gaben dabei an, die Beratungs-Angebote der IHKs zum Thema Nachfolge zu nutzen – fünf Jahre zuvor waren es nur sechs Prozent. Die Handwerkskammern erreichen sogar ein Wert von 35 Prozent (2013: 25 Prozent).

“Je länger ein Unternehmer oder eine Unternehmerin damit wartet, sich mit dem Thema Nachfolge auseinanderzusetzen, desto mehr ist der Fortbestand der Firma gefährdet”, sagte Handwerkskammer-Präsident Stapelfeldt. Mit zunehmendem Alter steige die Tendenz der Inhaber deutlich an, ihren Betrieb lieber zu schließen als zu übergeben. So plane aktuell ein Drittel der Inhaber, die über 75 Jahre alt, die Abwicklung ihrer Firmen. “Hinzu kommen noch diejenigen, die heute noch nicht wissen, ob sie ihr Unternehmen übergeben oder schließen wollen”, so Stapelfeldt.

Die Umfrage belegt weiter: Je kleiner das Unternehmen ist, umso weniger wird das Thema Nachfolge beachtet und vorbereitet. “Von den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten gaben 71 Prozent an, dass sie Schritte zur Übergabe geplant hätten, bei den Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten sind es dagegen nur 47 Prozent”, sagte IHK-Präsidentin Kühn. Dies erlaube aus ihrer Sicht zwei Schlussfolgerungen: Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern seien tendenziell leichter zu übergeben. Und Unternehmer mit mehr als zehn Mitarbeitern hätten ein sehr stark ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für ihre Mitarbeiter und deren Familien.

Nach den Worten von Stapelfeldt werde der Übergabeprozess häufig durch finanzielle Probleme erschwert. Allein der mögliche Verkaufserlös reiche in vielen Fällen nicht aus, um den Ruhestand des Altinhabers zu finanzieren. So gaben viele Unternehmer an, mehrere Bausteine für die Altersvorsorge zu nutzen – unter anderem selbstgenutzte oder vermietete Immobilien. Etwa die Hälfte der Inhaber von Handwerksbetrieben zahle Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung, nur ein Drittel leiste freiwillige Beiträge. Jeder neunte Unternehmer habe angegeben, gar keine Vorsorge getroffen zu haben. Von den befragten IHK-Mitgliedern haben sieben Prozent keine Vorsorge getroffen.

Laut IHK-Chefin Kühn würden die Befragten die Nachfolge-Problematik zwar grundsätzlich als dringend einstufen, doch fehlten in den meisten Fällen geeignete Nachfolge-Kandidaten: Während die Nachfolger vor fünf Jahren noch zu rund 60 Prozent aus den eigenen Familie kamen, sind es 2018 nur noch 40 Prozent. Ein Fünftel der Befragten gab an, dass möglichst ein bislang angestellter Mitarbeiter das Unternehmen fortführen solle. Rund 28 Prozent planen, das Unternehmen an eine betriebsfremde Person weiterzugeben und knapp 21 Prozent ziehen einen Verkauf an einen Mitbewerber in Betracht.

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