➤ Jetzt Unternehmenswert berechnen
Das Wichtigste in Kürze
- Eine professionelle Bewertung liefert keine punktgenaue Zahl, sondern einen realistischen Wertkorridor als Verhandlungsbasis.
- Im deutschen Mittelstand gilt das Ertragswertverfahren nach IDW S 1 als anerkannter Standard für die Ermittlung zukünftiger Finanzüberschüsse.
- Der Unternehmenswert ist theoretisch, der Kaufpreis hingegen das reale Ergebnis von Angebot, Nachfrage und Verhandlungsgeschick.
- Spezifische Risiken wie die Abhängigkeit vom Inhaber müssen vor dem Verkauf durch gezielte Vorbereitung minimiert werden, um den Wert zu sichern.
Wenn Unternehmer nach oft jahrzehntelanger Arbeit den Entschluss fassen, die eigene Firma in neue Hände zu geben, steht eine Frage unweigerlich im Raum: Was ist mein Unternehmen eigentlich wert? Diese Frage ist weit mehr als eine mathematische Übung. Sie berührt das Lebenswerk, die Altersvorsorge und die Zukunft der Mitarbeiter. Eine seriöse Wertermittlung bildet das Fundament für jede Transaktion, sei es eine familiäre Nachfolge, ein Verkauf an das Management oder die Veräußerung an einen strategischen Investor.
Dabei treffen in der Praxis oft zwei Welten aufeinander: Die subjektive Wahrnehmung des Inhabers, geprägt von Herzblut und Historie, und der objektive Blick eines Käufers, der Risiken und zukünftige Renditen kalkuliert. Die Kunst der Bewertung liegt darin, diese Perspektiven durch anerkannte Verfahren und Marktkenntnis in Einklang zu bringen.

Der Unterschied zwischen Preis und Wert
Ein häufiges Missverständnis zu Beginn vieler Gespräche ist die Gleichsetzung von Wert und Preis. Aus ökonomischer Sicht ist der Unternehmenswert ein ermittelter Geldbetrag, der den subjektiven Nutzen für einen Kapitalgeber widerspiegelt. Er basiert auf Annahmen über die Zukunft. Der Preis hingegen ist der Betrag, der am Ende tatsächlich fließt – das Ergebnis von Verhandlungen im aktuellen Marktumfeld.
Die Wiener Börse definiert das Ziel der Bewertung treffend als Ermittlung eines „fairen Unternehmenswertes“. Dieser dient als Startpunkt. Ob dieser Wert am Markt realisiert werden kann, hängt von Faktoren ab, die in keiner Bilanz stehen: Wie ist die Wettbewerbssituation? Wie dringend muss verkauft werden? Wie gut passen die strategischen Ziele des Käufers zum Unternehmen?
EUROCONSIL Experten-Tipp
Versteifen Sie sich nicht auf eine einzige „magische Zahl“. Wir empfehlen unseren Mandanten stets, einen Wertkorridor zu ermitteln. Dieser Ansatz bereitet Sie optimal auf verschiedene Käufertypen vor und schafft den nötigen Spielraum für die Verhandlungsphase, ohne Ihre finanzielle Untergrenze zu gefährden.
Die gängigen Verfahren in der Praxis
Um diesen Wertkorridor zu bestimmen, haben sich verschiedene Methoden etabliert. Für den deutschen Mittelstand ist es entscheidend, die Verfahren zu wählen, die von Banken, Wirtschaftsprüfern und Kaufinteressenten gleichermaßen akzeptiert werden.
Das Ertragswertverfahren nach IDW S 1
In Deutschland ist das Ertragswertverfahren der „Goldstandard“. Es folgt den Grundsätzen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW S 1) und betrachtet das Unternehmen als Investitionsobjekt. Die zentrale Frage lautet hier nicht, was in der Vergangenheit erwirtschaftet wurde, sondern welche Gewinne in Zukunft zu erwarten sind. Diese prognostizierten Überschüsse werden auf den heutigen Tag abgezinst.
Da diese Methode stark zukunftsorientiert ist, erfordert sie eine valide Planung. Vergangenheitswerte dienen lediglich als Plausibilisierung. Gerade im Jahr 2025, mit der Veröffentlichung neuer Fassungen des Standards, ist die Aktualität der Zinssätze und Risikoprämien entscheidend für das Ergebnis. Externe Experten wie Wirtschaftsprüfer Christian Meermeier weisen darauf hin, dass der Standard IDW S 1 auch bei steuerlichen Anlässen oder gerichtlichen Streitigkeiten als Maßstab herangezogen wird.
Discounted Cash Flow (DCF)
Das DCF-Verfahren ist international dominierend und ähnelt dem Ertragswertverfahren, da es ebenfalls auf einer Investitionsrechnung beruht. Hier stehen jedoch die zukünftigen Zahlungsströme (Cashflows) im Fokus. Besonders wenn internationale Käufergruppen angesprochen werden sollen oder institutionelle Investoren Interesse zeigen, ist dieses Verfahren unverzichtbar. Es eliminiert Verzerrungen durch unterschiedliche nationale Bilanzierungsvorschriften und macht Unternehmen global vergleichbar. Laut Fachpublikationen von Haufe rückt diese Methode durch die zunehmende Bedeutung der IFRS-Rechnungslegung auch im deutschen Mittelstand stärker in den Fokus.
Das Multiplikatorverfahren
Eine sehr praxisnahe Methode zur ersten Einschätzung oder Plausibilisierung ist das Multiplikatorverfahren (Marktwertverfahren). Hierbei wird der Unternehmenswert anhand von Kennzahlen vergleichbarer Unternehmen abgeleitet, die kürzlich verkauft wurden. Oft wird dabei ein Vielfaches des EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) oder EBITDA herangezogen.
Der Vorteil liegt in der Marktnähe: Sie sehen, was aktuell für Firmen Ihrer Branche und Größe bezahlt wird. Die Datenbanken von EUROCONSIL sowie Netzwerke wie der BDU liefern hierfür belastbare Vergleichsdaten aus realen Transaktionen des Mittelstands. Allerdings erfordert diese Methode viel Fingerspitzengefühl, da kein Unternehmen zu 100 Prozent einem anderen gleicht.
Das Substanzwertverfahren
Dieses Verfahren beantwortet die Frage: Was würde es kosten, das Unternehmen in seiner jetzigen Form neu zu errichten? Es addiert die Vermögensgegenstände (Maschinen, Immobilien, Warenlager) und zieht die Schulden ab. Für die meisten Dienstleistungs- oder Softwareunternehmen führt dies zu viel zu niedrigen Werten, da das Know-how der Mitarbeiter nicht erfasst wird. Bei sehr anlagenintensiven Betrieben oder im Liquidationsfall bildet der Substanzwert jedoch oft die absolute Wertuntergrenze.
Mehr Details zu den verschiedenen Berechnungsmethoden und deren Anwendung finden Sie auf unserer Spezialseite zur Unternehmensbewertung.
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Besonderheiten im Mittelstand
Die Bewertung eines mittelständischen Unternehmens unterscheidet sich fundamental von der Bewertung eines Großkonzerns. Ein DAX-Konzern funktioniert meist unabhängig von einzelnen Personen. Im Mittelstand hingegen ist der Inhaber oft die zentrale Figur: Er hält die wichtigsten Kundenkontakte, besitzt das technische Spezialwissen und führt die Mitarbeiter.
Fällt dieser „Kopf“ weg, entsteht für den Käufer ein Risiko. In der Bewertungstheorie wird dies oft durch einen höheren Risikozuschlag berücksichtigt, was den Unternehmenswert rechnerisch senkt. Eine der wichtigsten Aufgaben in der Vorbereitungsphase eines Unternehmensverkaufs ist es daher, das Unternehmen „verkaufsfähig“ zu machen, indem Strukturen geschaffen werden, die auch ohne den aktuellen Inhaber funktionieren.
Die IHK München betont in ihren Leitfäden zur Nachfolge regelmäßig, dass gerade bei kleineren Unternehmen auch der sogenannte „Unternehmerlohn“ korrekt angesetzt werden muss. Entnimmt ein Gesellschafter-Geschäftsführer weniger Gehalt, als ein Fremdgeschäftsführer kosten würde, muss der Gewinn für die Bewertung rechnerisch korrigiert werden, um ein realistisches Bild der Ertragskraft zu zeigen.
Der Prozess der Wertfindung bei EUROCONSIL
Eine seriöse Bewertung ist keine Momentaufnahme, die man in fünf Minuten online erstellt, sondern ein strukturierter Prozess. Bei EUROCONSIL nutzen wir die Kombination aller relevanten Verfahren, um ein ganzheitliches Bild zu erhalten.
Unser Ansatz beginnt mit der Bereinigung der Vergangenheitszahlen um Einmaleffekte und steuerliche Besonderheiten. Anschließend erstellen wir gemeinsam mit Ihnen eine integrierte Planung für die kommenden drei bis fünf Jahre. Diese Planung muss ambitioniert, aber für einen Käufer nachvollziehbar und erreichbar sein.
Gerade weil der Faktor Mensch im Mittelstand so elementar ist, schauen wir uns nicht nur die Zahlen an. Unsere Partner wie Cengiz Altaca oder Sebastian Göring analysieren vor Ort auch die „soften“ Faktoren: Wie stark ist das zweite Management-Level? Wie diversifiziert ist der Kundenstamm? Wie modern ist der Maschinenpark? Diese Aspekte fließen in die Risikoeinschätzung ein und haben direkten Einfluss auf den Multiplikator oder den Diskontierungszinsatz.
EUROCONSIL Experten-Tipp
Beginnen Sie mit der Bewertung nicht erst, wenn Sie verkaufen müssen. Eine frühzeitige Indikation – idealerweise zwei bis drei Jahre vor dem geplanten Ausstieg – zeigt Ihnen Stellschrauben auf, mit denen Sie den Wert noch aktiv steigern können.
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Fazit: Die Bewertung als Startpunkt
Die Frage nach dem Unternehmenswert lässt sich nicht mit einer einfachen Formel pauschal beantworten. Sie ist das Ergebnis einer tiefgehenden Analyse von Vergangenheit, Status quo und vor allem der Zukunftspotenziale Ihres Unternehmens. Eine professionelle Bewertung gibt Ihnen die Sicherheit, nicht unter Wert zu verkaufen, und bewahrt Sie gleichzeitig davor, mit unrealistischen Forderungen potenzielle Käufer abzuschrecken.
Unsere Erfahrung aus hunderten Transaktionen zeigt: Der bestmögliche Preis wird dann erzielt, wenn eine fundierte Bewertung auf einen professionell gesteuerten Verkaufsprozess trifft, der Wettbewerb unter Interessenten erzeugt. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Unternehmen aktuell steht, stehen Ihnen unsere erfahrenen Partner an sechs Standorten in Deutschland für eine vertrauliche Ersteinschätzung zur Verfügung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das vereinfachte Ertragswertverfahren?
Das vereinfachte Ertragswertverfahren wird primär von der Finanzverwaltung für die Berechnung der Erbschaft- und Schenkungsteuer genutzt. Es basiert auf pauschalierten Zinssätzen und Multiplikatoren gemäß dem Bewertungsgesetz. Für einen Unternehmensverkauf am freien Markt ist es oft ungeeignet, da es individuelle Marktgegebenheiten und Risiken eines Unternehmens nur unzureichend abbildet und häufig zu unrealistisch hohen Werten führt.
Wie viel kostet eine Unternehmensbewertung?
Die Kosten hängen stark vom Anlass und der Tiefe der Bewertung ab. Ein einfaches Indikativangebot oder eine „Kurioseinschätzung“ ist oft Teil eines Maklerauftrags. Ein vollumfängliches Gutachten nach IDW S 1 durch Wirtschaftsprüfer kann aufgrund der hohen Haftungsrisiken und des Zeitaufwands schnell mittlere fünfstellige Beträge erreichen. Im Rahmen unserer M&A-Mandate ist die marktorientierte Einwertung integraler Bestandteil unseres Erfolgshonorar-Modells.
Wie wirken sich Schulden auf den Unternehmenswert aus?
Bei den gängigen DCF- oder Ertragswertverfahren ermittelt man oft zunächst den sogenannten „Enterprise Value“ (Gesamtwert des operativen Geschäfts). Um den Wert für den Eigentümer („Equity Value“) zu erhalten, werden die Netto-Finanzverbindlichkeiten (Schulden abzüglich liquider Mittel) davon abgezogen. Hohe Schulden mindern also den Auszahlungsbetrag für den Verkäufer, ändern aber nichts an der operativen Bewertung des Geschäftsmodells selbst.
Kann ich mein Unternehmen auch an Mitarbeiter verkaufen?
Ja, das ist ein Management-Buy-Out (MBO). Hier ist die Bewertung besonders sensibel, da dem internen Käufer die Schwächen des Unternehmens oft genau bekannt sind und die Finanzierung meist über Banken sichergestellt werden muss. Banken verlangen hierfür eine besonders plausible und belastbare Bewertungsgrundlage. Nehmen Sie hierfür gerne unseren Kontakt auf, um die spezifischen Anforderungen zu besprechen.
Quellen:
IHK München: Leitfaden Unternehmensnachfolge und Bewertung.
Wiener Börse AG: Unternehmensbewertung – Definition und Anlässe.
Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW): IDW Standard S 1.
Haufe.de: Unternehmensbewertung in der Praxis / DCF-Verfahren.
Meermeier, C.: Ertragswertverfahren nach IDW S 1, Stand 2024/2025.
Gründerplattform: Methoden und Verfahren für die Unternehmensbewertung.
Kern Unternehmensnachfolge: Unternehmensbewertung Methoden Vergleich.

Weitere Informationen zum Autor:
Sebatian Göring
Standort EUROCONSIL Stuttgart
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