Betriebsergebnis (Operating Profit) vs. EBIT

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Grundlegende Definitionen und Unterschiede

In der Unternehmensfinanzierung sind Kennzahlen entscheidend, um die finanzielle Gesundheit und Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zu bewerten. Zwei zentrale Metriken sind der Betriebsergebnis (Operating Profit) und das EBIT (Earnings Before Interest and Taxes).

Das Betriebsergebnis (Operating Profit) gibt an, wie profitabel das Unternehmen aus seiner Kerntätigkeit ist – ohne Berücksichtigung von Finanzierungsstrukturen oder Steuerlasten. Es dient als Indikator für die betriebliche Effizienz. Sie gibt einen klaren Einblick in die operative Effizienz und Rentabilität eines Unternehmens. Nach HGB und IFRS/US-GAAP sind die beiden Begriffe dennoch nicht identisch. Im HGB wird die „gewöhnliche Geschäftstätigkeit“ abgebildet, wohingegen IFRS das reine operative Kerngeschäft meint – ohne jegliche außerordentlichen oder betriebsfremden Erträge (die teilweise im HGB möglich sind). Weitere Unterschiede kann es bei Restrukturierungskosten oder Anlageverkäufen geben.  

Berater zeigt Unternehmenswerte Anhand eines Diagramms in einem Meeting

EBIT umfasst ebenfalls den Gewinn vor Zinsen und Steuern, berücksichtigt jedoch zusätzlich nicht-operative Erträge und Aufwendungen, wie einmalige Einnahmen oder Verluste aus außerbetrieblichen Aktivitäten. Dies bietet ein umfassenderes Bild der gesamten operativen Leistung und berücksichtigt zusätzliche Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen können.

Die Unterscheidung zwischen Betriebsergebnis (Operating Profit) und EBIT ist wichtig, insbesondere beim Vergleich von Unternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Ein Unternehmen mit hohem werthaltigem Vermögen kann einen stabilen Operating Profit aufweisen, während ein Unternehmen mit geleasten Anlagen trotz hoher operativer Gewinne ein durchschnittliches EBIT haben könnte. Diese Unterschiede sind entscheidend für die Interpretation und Vergleichbarkeit der Kennzahlen.

Ein Beispiel:
Ein Automobilzulieferer mit hohen Leasingverpflichtungen und einem einmaligen Ertrag aus einer Immobilienveräußerung könnte ein EBIT haben, das stark vom Operating Profit abweicht. Während der Operating Profit die tatsächliche operative Ertragskraft zeigt, beeinflussen einmalige Gewinne oder Verluste das EBIT erheblich.

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Wie berechnet man Operating Profit und EBIT – und warum unterscheiden sie sich?

Die präzise Berechnung von Betriebsergebnis, Operating Profit und EBIT ist essenziell für eine genaue finanzielle Analyse. Die Kennzahlen basieren auf dem Nettogewinn, werden jedoch durch spezifische Anpassungen differenziert.

Berechnung des Betriebsergebnisses (HGB)

Das Betriebsergebnis wird durch die Differenz zwischen den Umsatzerlösen und den betrieblichen Aufwendungen ermittelt. Dabei werden sowohl direkte Kosten des Kerngeschäfts als auch sonstige betriebliche Erträge berücksichtigt. Die wichtigsten Bestandteile sind:

  • Materialaufwand:
    Kosten für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie bezogene Leistungen
  • Personalkosten:
    Löhne, Gehälter und Sozialabgaben
  • Abschreibungen:
    Wertminderungen von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten
  • Sonstige betriebliche Aufwendungen:
    Verwaltungskosten, Vertriebsaufwendungen, Mietkosten und sonstige laufende Betriebsausgaben
  • Sonstige betriebliche Erträge:
    Erträge aus dem Verkauf von Anlagevermögen oder Zuschüsse

Formel:

Betriebsergebnis = Umsatzerlöse – Materialaufwand – Personalkosten – Abschreibungen − sonstige betriebliche Aufwendungen + sonstige betriebliche Erträge

Diese Berechnung zeigt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmens nach handelsrechtlichen Vorgaben (HGB) und gibt Einblick in dessen Rentabilität aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit.

Berechnung des Operating Profit

Der Operating Profit ermittelt sich durch Abzug aller operativen Ausgaben von den Umsatzerlösen. Operative Ausgaben umfassen:

  • Materialkosten:
    Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte
  • Personalkosten:
    Gehälter, Löhne und Sozialabgaben
  • Verwaltungskosten:
    Allgemeine Verwaltungsausgaben
  • Abschreibungen auf Anlagen und Maschinen:
    Wertminderungen von Sachanlagen

Formel:

Operating Profit = Umsatzerlöse − Operative Ausgaben

Diese Berechnung liefert einen klaren Überblick über die Fähigkeit eines Unternehmens, aus seinem Kerngeschäft Gewinn zu erzielen (IFRS).

Berechnung des EBIT

Das EBIT wird ähnlich wie der Operating Profit berechnet, jedoch werden zusätzlich nicht-operative Erträge und Aufwendungen berücksichtigt:

  • Außerordentliche Erträge:

Einmalige Gewinne aus nicht-geschäftsbezogenen Aktivitäten

  • Außerordentliche Aufwendungen:
    Einmalige Verluste außerhalb des Kerngeschäfts

Formel:

EBIT = Operating Profit + Nicht-operative Erträge − Nicht-operative Aufwendungen

Durch die Einbeziehung dieser zusätzlichen Posten bietet das EBIT ein ganzheitlicheres Bild der operativen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens.

Wie EBIT und Operating Profit den Kaufpreis Ihres Unternehmens beeinflussen

Die präzise Berechnung und das Verständnis von Betriebsergebnis (Operating Profit) und EBIT sind für verschiedene Stakeholder von großer Bedeutung:

  • Investoren und Analysten:
    Diese Kennzahlen bieten Einblicke in die operative Effizienz und finanzielle Stabilität eines Unternehmens und dienen als Grundlage für Investitionsentscheidungen.
  • Unternehmensführung und Management:
    Sie sind essenziell, um operative Prozesse zu steuern und Optimierungspotenziale zu identifizieren, was zur Steigerung der Rentabilität beiträgt.
  • Kreditgeber:
    Banken und andere Kreditinstitute nutzen diese Kennzahlen, um die Kreditwürdigkeit und die Fähigkeit eines Unternehmens zur Bedienung seiner Schulden zu beurteilen.
  • Mitarbeiter und Gewerkschaften:
    Interne Stakeholder profitieren von dieser Analyse, da sie Aufschluss über die wirtschaftliche Stabilität und die langfristigen Beschäftigungsaussichten gibt.
  • Für Sie:
    Wenn Sie ein Unternehmen bewerten – ob als potenzieller Käufer oder Verkäufer –, sind EBIT und Operating Profit entscheidend für die schnelle Anwendung von EBIT-Multiples. Sie ermöglichen eine erste Einschätzung des Unternehmenswerts und helfen, strategische Entscheidungen in M&A-Prozessen zu treffen.

Durch die Anwendung von Operating Profit und EBIT in der Unternehmensanalyse können alle Beteiligten fundierte Entscheidungen treffen, die zum nachhaltigen Erfolg des Unternehmens beitragen.

Mit EBIT-Multiples zur schnellen Unternehmensbewertung

Für eine schnelle Unternehmensbewertung können EBIT-Multiples herangezogen werden, bei der der Unternehmenswert ins Verhältnis zum EBIT gesetzt wird. Dadurch kann man in einer Peer Group ähnliche Unternehmen vergleichen, um ein „Gefühl“ zu bekommen, wie die Marktlage ist.

Formel:

Unternehmenswert = EBIT x EBIT-Multiple (aus Tabelle)

EBIT-Multiples eignen sich für kapitalintensive Branchen, da sie die Abschreibungen berücksichtigen, die bei solchen Unternehmen eine große Rolle spielen. In wachstumsorientierten Unternehmen sind sie weniger geeignet. Dennoch ermöglichen sie einen schnellen Vergleich mit anderen Unternehmen oder Transaktionen in der gleichen Branche.

Beispiel:
Ein Unternehmen in der Branche Nahrungs- und Genussmittel hat ein EBIT von 3 Mio. € und vergleichbare Unternehmen in der Branche werden mit einem EBIT-Multiple von 5,8x (Durchschnitt für diese Branche Q1/25; Min. 4,8 Max. 6,8) bewertet. Dann wäre der Unternehmenswert:

3 Mio. € × 5,8 = 17,4 Mio. €

bzw. mit einer Bandbreite zwischen Minimum 14,4 Mio. € und Maximum 20,4 Mio. €. (Delta: 6 Mio. €). Das wäre die schnelle Ermittlung eines Wertkorridors mit Hilfe der Statistiken. Ob ein Erwerber bereit wäre, einen solchen Preis zu bezahlen, ist dann eine individuelle Stichprobe, die von vielen Faktoren abhängt und anders ausfallen kann.

Man ist hier auf bereits vollendete Transaktionen und deren Informationen angewiesen, die mitunter schwierig zu erlangen sind. Die Deutsche Unternehmerbörse aggregiert solche Informationen für KMUs in Deutschland mit den zugehörigen Multiples, zu der EUROCONSIL als Premiumpartner anonymisiert Informationen beiträgt.

In der Praxis wird oft das Betriebsergebnis aus der HGB-Bilanz als EBIT interpretiert, obwohl es je nach Bilanzierungspraktiken Unterschiede geben kann (z. B. bei außerordentlichen Erträgen oder Rückstellungen). Daher ist eine Bereinigung des EBIT notwendig, um eine vergleichbare Basis für Multiplikatoranalysen zu schaffen. Man spricht von EBIT-Multiples, wobei die DUB explizit darauf hinweist, das EBIT zu bereinigen.

Wie der EUROCONSIL Unternehmenswertrechner Ihre Bewertung unterstützt

Ein effektives Werkzeug zur schnellen Wertermittlung ist der EUROCONSIL Unternehmenswertrechner. Dieses Tool ermöglicht es Unternehmen, ihren Unternehmenswert zu ermitteln, indem verschiedene finanzielle Kennzahlen integriert werden. Der Unternehmenswertrechner berücksichtigt verschiedene Einflussfaktoren und bietet eine Basis für die Bewertung und strategische Entscheidungsfindung.

Einschränkungen des Unternehmenswertrechners

Der EUROCONSIL Unternehmenswertrechner hat gewisse Einschränkungen. Bilanzierte Betriebsimmobilien werden nicht berücksichtigt, was zu Abweichungen zwischen geschätztem und tatsächlichem Unternehmenswert führen kann. Zudem können externe wirtschaftliche Faktoren, die den Unternehmenswert beeinflussen, unberücksichtigt bleiben. Zusätzlich sind die erhobenen Daten Branchenbasiert, wobei manche Unternehmen zum Teil schwierig eingeordnet werden können. Manche Nischenfirmen fallen aus dem Raster.

Empfehlung von Euroconsil

EUROCONSIL empfiehlt daher, den Unternehmenswertrechner als initialenTeil eines umfassenden Bewertungsgutachtens zu nutzen, das alle relevanten Bewertungsverfahren integriert. Diese ganzheitliche Herangehensweise ermöglicht die Definition eines Wertkorridors und stellt sicher, dass Unternehmen optimal auf potenzielle Kaufinteressenten vorbereitet sind. Durch die Kombination mehrerer Bewertungsmethoden wird eine transparente und realistische Einschätzung des Unternehmenswertes erzielt.

Erweiterte Kennzahlen und ihre Relevanz

Neben Betriebsergebnis (Operating Profit) und EBIT gibt es weitere Kennzahlen, die zusätzliche Einblicke in die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens bieten.

EBITDA

Das EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization) erweitert das EBIT um die Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte. Es stellt die Ertragskraft eines Unternehmens dar, ohne Verzerrungen durch Investitions- und Finanzierungsstrukturen. Dies ermöglicht detailliertere Vergleiche der operativen Leistung zwischen Unternehmen mit unterschiedlichen Abschreibungsmethoden und Investitionsstrategien.

EBITDA wird häufig als Bewertungsmaßstab verwendet, birgt aber Risiken. Wirtschaftsprüfer Oliver Köster (Bilanzfluencer-Podcast) stellt gerne heraus, dass EBITDA durch aggressive Bilanzpolitik verzerrt sein kann, da wesentliche Kosten ignoriert werden.  

Ertragswert

Der Ertragswert eines Unternehmens reflektiert das Potenzial zukünftiger Gewinne aus dem Geschäftsmodell. Faktoren wie das Know-how der Mitarbeiter, Kundenbeziehungen, die Effizienz der Geschäftsprozesse und Markenrechte spielen hierbei eine zentrale Rolle. Eine präzise Bestimmung des Ertragswertes erfordert eine fundierte Umsatz- und Ergebnisvorschau sowie die Einhaltung des IDW-S1 Standards der deutschen Wirtschaftsprüfer.

Bedeutung erweiterter Kennzahlen

Diese erweiterten Kennzahlen sind besonders nützlich, um die operative Leistung ohne Verzerrungen durch Abschreibungen und einmalige Ereignisse zu beurteilen. Für Investoren und Analysten bieten sie eine umfassendere Grundlage für die Bewertung der finanziellen Gesundheit und der zukünftigen Gewinnpotenziale eines Unternehmens, was zu fundierteren Investitionsentscheidungen führt.

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Fazit

Im Vergleich zwischen Betriebsergebnis (Operating Profit) und EBIT ist es entscheidend zu verstehen, dass die Kennzahlen unterschiedliche Perspektiven auf das Ergebnis eines Unternehmens bieten. Während der Operating Profit die operative Effizienz ohne Berücksichtigung von Steuern und Zinsen darstellt, umfasst das EBIT auch die Auswirkungen von außerbetrieblichen Einnahmen und Aufwendungen. Diese Unterscheidung ist äußerst wertvoll für die Bewertung und Analyse der finanziellen Gesundheit eines Unternehmens.

Für Unternehmen, die ihre operative Performance und den Unternehmenswert umfassend verstehen möchten, bietet EUROCONSIL maßgeschneiderte Beratungsdienstleistungen an. Durch die Anwendung aller relevanten Bewertungsverfahren in einem Bewertungsgutachten können Unternehmen einen präzisen Wertkorridor erhalten und sich optimal auf potenzielle Kaufinteressenten vorbereiten.

Planen Sie den Verkauf Ihres Unternehmens? Erfahren Sie, wie Betriebsergebnis (Operating Profit) und EBIT den Kaufpreis beeinflussen – und wie Sie durch strategische Optimierung höhere Angebote erzielen. Vereinbaren Sie jetzt eine unverbindliche Erstberatung!

Weitere Informationen zum Autor:

Christian Winter
Standort EUROCONSIL Nürnberg

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T. +49 (0)176 60 35 74 40


Email: christian.winter@euroconsil.de

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